Jana

 

Budd-Chiari-Syndrom / Lebertransplantation

Budd-Chiari-Syndrom ist eine seltene Erkrankung der Leber, bei der es zu einem Verschluss der Lebervene kommt. Man nennt es auch Lebervenenthrombose.

Bis ich die Diagnose bekam, verging eine Menge Zeit voller Schmerz und Kummer.

Im Januar  2001 fing alles an. Mich plagten schon längere Zeit  Übelkeit, starke Kopfschmerzen und übelste Bauchschmerzen. Zudem sammelte sich Wasser in meinem Bauch an. 

Ein Arzt des Kreiskrankenhauses meinte ernsthaft, ich solle einen Entzug machen, schließlich sei anhand meiner schlechten Blutwerte eindeutig ersichtlich, dass ich Alkoholikerin und ein Drogen-Junkie wäre. Weder trank ich, noch habe ich jemals in meinem Leben Drogen genommen. Aber bei diesem Arzt hatte ich bereits den Stempel auf der Stirn: Jung und verbraucht…

Am 09.03.2002  wurde ich von meiner Hausärztin ins UKE überwiesen. Ich blickte in besorgte Gesichter der Ärzte.

Ein Arzt setzte sich an mein Bett, nahm meine Hand und sagte: „Sie brauchen ein neues Organ, und das sehr dringend. Wir geben ihnen noch drei Wochen, max. drei Monate. Finden wir keinen Spender, werden sie es nicht schaffen.“

Ich gab meinen Vater als Bevollmächtigten an, der anweisen sollte, die Geräte abschalten zu lassen, sollte es denn dazu kommen.

In der Nacht vom 11.03.02 auf den 12.03.02 kam eine Krankenschwester und sagte, sie würde mich jetzt für die OP fertigmachen. Die neue Leber würde in diesem Moment eingeflogen werden. Sie weinte, ich nahm sie in den Arm.

Während der OP hatte ich nach Angaben der Ärzte eine Lungenembolie. Eine Lungenembolie kann zum Tod führen. Ich soll gekämpft haben wie ein Bär. Und ich habe den Kampf gewonnen.

 

… ein Organ – das wertvollste Erbe, das dir ein anderer Mensch vermachen kann…

Mit diesem Satz wandte sich ein Arzt nach der Transplantation an mich.

Ich musste mich erst an den Gedanken gewöhnen, ein fremdes Organ von einem Menschen, der nun nicht mehr lebt, in mir zu tragen. Oft hatte ich Schuldgefühle demjenigen gegenüber. Aber ich erinnerte mich immer wieder an den einen Satz, und das gab mir Kraft. Ich bin dem Spender und seiner Familie unendlich dankbar.

 

Meine Narbe war so groß und noch blutig. In der Haut steckten Klammern (ähnlich wie bei einem Tacker). Mein Bauch war mir so fremd. Meine beste Freundin wurde die Narbe zunächst nicht. Ich versteckte sie im Sommer unter einem Badeanzug.

Oft hörte ich großes Geläster. Ich ließ mich nicht entmutigen,  schließlich trage ich ein wertvolles Erbe unter meiner Haut. Mittlerweile nehme ich die Narbe nicht mehr wahr. Lediglich die neugierigen Blicke anderer Menschen am Strand erinnern mich an sie.

Wenn das Leben Farbe verliert… Vieles in dieser Zeit erschien mir wirklich grau. Ich durfte vorerst meine Pferde nicht besuchen, um Infektionen zu vermeiden. Darunter litt ich besonders.

Doch die Krankphase brachte mich näher an die Musik. Ich fand Zeit, mir das Querflötespielen beizubringen. Außerdem schloss ich mich dem Gospelchor Warder an und lernte viele wundervolle Menschen kennen. Das Gefühl gemocht und geliebt zu werden, ist einfach wunderbar. 

Die erste Farbe, die ich ganz bewusst nach der Transplantation wahrgenommen habe, war das leuchtende Gelb der Rapsfelder. Noch nie habe ich gelb so bewusst und voller Freude wahrgenommen.

Das Leben bietet ein sehr großes Farbspektrum. Auch wenn es mir manchmal  düster vorkommt, so weiß ich, dass hinter jeder dunklen Wolke ein buntes Abenteuer auf mich wartet. Viele sagten mir, dass ich mich verändert hätte. Und das stimmt. Ich bin aufgeschlossener und mutiger. Unwichtigen Dingen schenke ich weniger Beachtung.

Ich liebe das Leben, und ich sauge so viel davon auf, wie es nur möglich ist. Viele Dinge nehme ich seit dem Tag der Transplantation bewusster wahr.

Das Leben ist viel zu kurz, genießt es in vollen Zügen.

 

„Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu sein.“