Ich könnte stundenlang Geschichten über Mariella und mich erzählen. Wir haben schon so viel zusammen erlebt. Seit der fünften Klasse kennen wir uns schon. Von Anfang an haben wir uns prima verstanden. Wir sind dicke Freunde geworden und eine Zeit lang war alles perfekt. Bis sie uns verlassen hat. Das Ärgern und Piesaken der Jungs aus der Klasse haben wohl einen großen Teil dazu beigetragen. Ab da an habe ich realisiert, dass Mariellas Krankheit aus zwei Blickwinkeln betrachtet werden kann. Die einen tolerieren ihre Gehweise und dass sie ein wenig langsamer geht als andere.

 

 

Für mich war das nie ein Problem. Braucht sie Hilfe bin ich da. Mittlerweile sind wir ein eingespieltes Team. Ich weiß alle Handgriffe um ihr hoch zu helfen oder bei Stufen zu helfen. Naja und dann gibt es da noch die Anderen. Die, die es nicht verstehen wollen und alles schlecht machen. Ich verstehe die Leute nich. Wie kann man so schlecht zu so einer netten und sympathischen Person wie Mariella sein? Sie hat niemanden etwas getan und musste sich in der Schule trotzdem Sätze anhören wie:  "Zu Hause geht sie bestimmt normal".

Was soll so was? Ich habe noch nie einen so starken Menschen wie sie kennen gelernt. Doch bei solchen Worten kommen die Tränen und der Hass auf ihre Beine wieder hoch.

Da waren meine Tröster-Fähigkeiten wieder gefragt. Im ersten Moment weiß man nicht was man sagen soll, weil man einfach nicht verstehen kann wie Menschen so gemein sein können.

Doch bis jetzt habe ich, denke ich, alles gut hinbekommen, sie nicht mehr an so was denken zu lassen und solche Worte nicht mehr ernst zu nehmen. Ich habe schon erwähnt dass sie ein ganz starker Mensch ist. Trotz ihrer Muskelerkrankung geht sie reiten, schwimmen und zum Sport.

Ich bewundere es sehr, dass sie immer ein Lächeln auf den Lippen hat und sich von ihren Beinen nicht runterziehen lässt.

Auch wenn wir uns seit der schule nicht mehr jeden Tag gesehen haben ist der Kontakt dennoch nicht abgebrochen. Wir treffen uns oft zum Quatschen, Shoppen oder einfach mal so. Mit der Zeit wurde ihre Krankheit immer schlimmer und eines Tages stand sie mit ihrem Rolli vor mir. Ich wusste nicht was ich sagen sollte.

Ich wusste nicht was ich denken sollte. Mein erster Gedanke war: "Scheiße ist es jetzt doch so schlimm".

Doch sie hatte ein Lächeln auf den Lippen. Sie hat sich so gefreut endlich wieder lange Strecken hinter sich legen zu können und sofort habe ich mich mit ihr gefreut. Wir heizen durch die Gegend und nehmen das Ding überall mit hin.

Es macht einfach so einen Spaß mit ihr zusammen.

Abschließend kann ich nur sagen dass ich super stolz aus meine beste Freundin bin und immer für sie da sein werde.